NIUS-Watch: Per KI nach den Rechten schauen
Wie ein automatisiertes Frühwarnsystem gegen Kulturkampf-Medien funktioniert
Seit einigen Monaten schaue ich mir manchmal NIUS und andere rechte Hass- und Propaganda-Sender auf YouTube an. Um zu überprüfen, ob das Medien-Tool DIVER, an dem ich arbeite, sie korrekt verarbeitet. Ziel der ersten Phase war, die Auswürfe dieser destruktiven Medienprodukte automatisiert monitoren zu können. Um sie eben nicht schauen und hören zu müssen. Im nächsten Schritt wird es dann um Folgendes gehen: Lässt sich verfolgen und zeigen, wie sie versuchen, den politischen Diskurs zu vergiften?
Das Ergebnis der ersten Phase könnt ihr ab sofort bei NIUS-Watch lesen und dessen Analysen per E-Mail abonnieren – es läuft auf DIVER, das sich kostenfrei nutzen lässt. Mehr dazu unten.
Was machen die Medienanstalten eigentlich beruflich?
Es ist schwer vorstellbar, dass Menschen sich diesen Schrott wirklich regelmäßig gewinnbringend anschauen – mehr zu NIUS hier bei Correctiv. Leider ist das Projekt zumindest inhaltlich erfolgreich. Es gelingt ihm immer wieder als Scharnierfunktion zu fungieren: rechte Kampagnen werden in den Mainstream gedrückt. Siehe etwa das erfolgreiche Verhindern der Kandidatin Brosius-Gersdorf für ein Richterinnenamt beim Bundesverfassungsgericht. Oder als es jüngst gegen den Kulturstaatssekretär Weimer und sein Firmengeflecht ging. Das rechte Organ „Apollo News“ wurde vom reichsweiten starken T-Online aufgegriffen – das kein Wort über den Charakter besagten Mediums zu verlor. NIUS drehte dann das Empörungsrad über Weimer genüsslich weiter.
Seit Jahren frage ich mich, warum die Landesmedienanstalten kein automatisiertes Monitoring von Plattformen wie YouTube usw. organisieren. Sie bekommen zusammen jährlich ca. 150 Millionen Euro aus den Rundfunkgebühren, um u.a. die Plattformen zu beaufsichtigen (§19 Sorgfaltspflicht, Medienstaatsvertrag). Eine automatisierte Beobachtung der Top 100 im Bereich Nachrichten/Politik/Gesellschaft/Kultur von Podcasts und YouTube wäre mit einigem kostenintensiven Aufwand bereits seit ein paar Jahren möglich gewesen. Stattdessen können sich autoritäre Jungmänner wie Hoss & Hopf mit ihrem Verschwörungsbrei in den Podcast-Chart von Spotify festsetzen. Sieht so der Kampf gegen Desinformationen aus, den sich die Anstalten auf die Fahnen geschrieben haben?
Wie funktioniert NIUS-Watch?
Technisch ist es mittlerweile recht einfach. Google, das ja auch YouTube betreibt, bietet als Funktion seiner „Künstlichen Intelligenz“ an, YouTube-Videos zu transkribieren. Die Large Language Models (LLM) der Gemini-Reihe erfassen zudem jede Sekunde ein Standbild und beschreiben es – sprich auch Bildsprache und Mimik/Gestik lassen sich auswerten.
DIVER, die Plattform auf der NIUS-Watch läuft, beobachtet den RSS-Feed des YouTube Kanals von NIUS. Einmal pro Tag, morgens, zieht sich DIVER die Transkripte der Sendungen der letzten 24 Stunden und schreibt eine Analyse des Vortages. Dabei bezieht es auch eigene ältere Berichte ein, um zu tracken, wie Begriffe platziert werden („NGO-Komplex“) und welche Kampagnen im Gange sind. Das klappt recht zuverlässig, auch wenn NIUS oft an seinem YouTube-Kanal schraubt – wohl um per SEO (Suchmaschinenoptimierung) gut auf der Videoplattform sichtbar zu sein, um z.B. in Empfehlungen auftauchen. Flood the zone with shit.
NIUS-Watch ist das erste Bauteil eines umfassendes Monitorings, das als Frühwarnsystem dienen kann. Bei DIVER werden bereits mehr als 20 deutsche Politik-Podcasts und Talkshows automatisiert „gehört“. Wenn nun auch div. rechte Quellen beobachtet werden, wird sich nachvollziehen lassen, wie Begriffe und Kampagne in die etablierten Medien einsickern, aufgegriffen, und/oder betrachtet werden.
Wenn wir quasi in Echtzeit nachvollziehen können, wie die Rechten versuchen am „Overtone window“ zu schrauben, können wir ihre Strategie unterlaufen und kontern.
Ausprobieren
Wie gesagt: DIVER lässt sich kostenfrei nutzen. Eine wachsende Zahl von derzeit knapp 200 Quellen (dt. und engl. Podcasts und Newsletter) sowie einige Spezialquellen wie NIUS-Watch sind bereits aktiv. Neue Folgen dieser Medien werden auf Deutsch und Englisch automatisch per LLM zusammengefasst und eingeordnet. Mit einem DIVER-Konto lassen sich 20 dieser Quellen abonnieren und auf Wunsch die Zusammenfassungen neuer Folgen kurz nach Erscheinen per E-Mail erhalten. Ab voraussichtlich Februar 2026 wird dafür ein moderater monatlicher Betrag verlangt – es wird aber auch eine free-as-in-Freemium Variante geben.
Ich freue mich über euer Feedback zu NIUS-Watch und DIVER. Gerne sendet mir auch Vorschläge für Podcast und Newsletter, die DIVER verfolgen könnte. Und wenn ihr mögt, folgt DIVER bei BlueSky und Mastodon.


